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NCCN Guidelines for Patients

®

Nierenkrebs, Version 1.2015

Gezielte Therapie

Die gezielte Therapie besteht aus einer Behandlung mit

Arzneimitteln, die für ein spezifisches oder einzigartiges

Merkmal der Krebszellen entwickelt wurden. Diese

Arzneimittel behindern Moleküle, die das Wachstum der

Krebszellen fördern. Die gezielte Therapie kommt zum

Einsatz, wenn der Nierenkrebs andere Teile des Körpers

befallen hat. In den vergangenen 10 Jahren wurden 7

gezielte Therapeutika zur Behandlung von fortgeschrittenem

Nierenkrebs zugelassen.

Gezielte Therapeutika behandeln Nierenkrebs auf

unterschiedliche Weise. Einige blockieren die Signale,

die zur Bildung von neuen Blutgefäßen führen. Andere

blockieren Signale, die das Wachstum des Nierenkrebses

und die Bildung von mehr Krebszellen anregen. Diese

Arzneimittel haben oft mehr als ein Ziel. Die Benennung der

verschiedenen Arten von gezielten Therapien beruht auf

ihrem Wirkmechanismus.

Bevacizumab

Bevacizumab ist ein Angiogenese-Hemmer genanntes

gezieltes Arzneimittel. Die Angiogenese ist das Wachstum

neuer Blutgefäße. Wie normale Zellen benötigen

auch Krebszellen für ihr Wachstum den Sauerstoff

und die Nährstoffe, die vom Blut transportiert werden.

Nierenkrebszellen besitzen in besonders hohem Maß die

Fähigkeit, neu gebildete Blutgefäße dazu zu bringen, in

den Tumor hineinzuwachsen und ihn zu „ernähren“. Die

Krebszellen setzen große Mengen des Proteins VEGF

(

V

ascular

E

ndothelial

G

rowth

F

actor) frei. Das VEGF-Protein

bindet sich an Rezeptoren der Zellen, die die Blutgefäße

bilden. Durch diese Bindung werden in der Zelle Signale

ausgelöst, die bewirken, dass neue Blutgefäße in den

Tumor wachsen.

Bevacizumab bindet sich an VEGF und verhindert, dass

sich VEGF an die Rezeptoren der Zellen heften kann.

Dadurch wird es VEGF unmöglich, Signale auszulösen, die

die Bildung von Blutgefäßen zur Folge haben. Bevacizumab

führt dazu, dass die Bildung neuer Blutgefäße verlangsamt

oder gänzlich gestoppt und der Tumor „ausgehungert“ wird.

Bevacizumab ist eine Flüssigkeit, die als Infusion verabreicht

wird. Die Infusion ist eine Methode der langsamen Gabe von

Arzneimitteln über eine Vene. Der Durchlauf der ersten Dosis

dauert ca. 90 Minuten, alle weiteren Behandlungen nur noch

30 Minuten. Es kann alleine oder zusammen mit Interferon

Alfa, einem Immuntherapie-Arzneimittel (siehe Seite 37),

gegeben werden.

Bevacizumab ist auf die Blutgefäße von Tumoren

spezialisiert, kann aber auch normale Blutgefäße angreifen.

Dies kann zu Nebenwirkungen führen. Eine Nebenwirkung

ist ein von der Behandlung verursachter ungesunder oder

unerfreulicher körperlicher oder psychischer Zustand.

Einige Nebenwirkungen können schwerwiegend sein,

andere sind unangenehm, aber nicht schwerwiegend.

Häufige Begleiterscheinungen von Bevacizumab sind hoher

Blutdruck, Kopfschmerzen, Nasenbluten, laufende Nase,

Änderungen des Geschmackssinns, Hautausschläge,

trockene Haut und Rückenschmerzen. Zu den seltenen,

aber schwerwiegenden Nebenwirkungen zählen Herzinfarkt,

Nierenschäden, Löcher im Darm und Blutungen im Körper.

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Übersicht der Krebsbehandlungen

Gezielte Therapie